Fortbildung 2016 - Seminare

M00116 Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen - eine Herausforderung für Ausländerbehörden, Jugendämter und Jugendhilfeeinrichtungen
Zielgruppe

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ausländerbehörden, Jugendämtern und Jugendhilfeeinrichtungen sowie Beratungsstellen, an die sich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Hilfe suchend wenden

 

 

Ihr Gewinn

Fühlen auch Sie sich mit dafür verantwortlich, dass Deutschland wegen seines rechtsstaatlichen, menschenwürdigen Umgangs mit Flüchtlingen weltweit eine so hohe Wertschätzung genießt? Helfen Sie ohnehin gerne Menschen in Not, ob beruflich oder privat motiviert? Liegen Ihnen junge Menschen ganz besonders am Herzen?

Soweit Sie auf eine dieser Fragen mit einem klaren JA antworten, sind Sie in diesem Seminar richtig. Sie sind in der Bildungsmaßnahme angekommen, die Sie suchten, die Ihnen viel mehr als einen „einfachen“ Wissenstransfer bringt, die Ihnen auch Möglichkeiten zur Erweiterung Ihrer sozialen Kompetenzen eröffnet.

Um was geht es in diesem Seminar? 

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) werden nach einem Gesetzesentwurf, den die Bundesregierung am 15.07.2015 beschlossen hat, ab dem 01.01.2016 gleichmäßig auf das Bundesgebiet verteilt werden. 

Welchen Effekt bringt diese Regelung?

Auch Ausländerbehörden, Jugendämter und Jugendhilfeeinrichtungen, die bisher nichts mit „UMF“ zu tun hatten, werden sich mit deren besonderer rechtlicher Situation und ihren speziellen Bedürfnissen beschäftigen müssen. Aber auch auf diejenigen, die schon jetzt mit UMF befasst sind, werden mit Inkrafttreten des Gesetzes neue Herausforderungen zukommen.

Welche „neuen“ Herausforderungen bringt das Jahr 2016?

Der angesprochene Gesetzentwurf zur gleichmäßigen Verteilung von UMF über das Bundesgebiet sieht auch vor, dass die Handlungsfähigkeit von 16- und 17-jährigen UMF (§ 12 AsylG, § 80 AufenthG) abgeschafft wird, sodass kein unbegleiteter Minderjähriger mehr wirksame Verfahrenshandlungen nach dem AsylG oder AufenthG vornehmen kann. Damit steigen die Anforderungen an Jugendämter, Ausländerbehörden und Jugendhilfeeinrichtungen im Hinblick auf Fragen der Aufenthaltssicherung bzw. -beendigung. Ganz unabhängig davon gilt aber schon jetzt für die Arbeit mit UMF: 

  • Die Beschäftigung mit UMF ist eine besondere Herausforderung für die Ausländerbehörden, denn ihre materiellrechtliche Situation ist von zahlreichen Sondervorschriften gekennzeichnet, z. B. § 58 Abs. 1a AufenthG, eine recht junge Regelung, die vorsieht, dass eine Abschiebung nur stattfinden darf, wenn am Zielort der Überstellung die minderjährigengerechte Unterbringung gesichert ist. Als weitere Problemkreise treten z. B. hinzu: 
    • Welche Altersangaben sind maßgeblich, wenn sich im Rahmen eines Dublin-Verfahrens herausstellt, dass es in Europa mehrere Identitäten des Betroffenen gibt?
    • Welche Bedeutung kommt den Einschätzungen des Jugendamtes und des Familiengerichts zu Fragen des Kindeswohls zu und welche Beteiligungserfordernisse bestehen, wenn aufenthaltsbeendende Maßnahmen ergriffen werden?
    • Wie ist mit UMF umzugehen, die keinen Asylantrag stellen?
    • Und wie ist mit UMF umzugehen, die in einem anderen Staat der Europäischen Union bereits einmal internationalen Schutz zugesprochen erhalten haben? 
  • Die Arbeit mit UMF ist aber auch eine besondere Herausforderung für die Jugendämter. Denn vom ersten Tag an treten Fragen auf, die das Aufenthaltsrecht der Jugendlichen in Deutschland betreffen. Wird kein Anwalt zum Vertreter (z. B. Mitvormund) bestellt, trägt der Amtsvormund in diesem Bereich eine große Verantwortung, denn Vormünder sind schon seit Juli 2015 durch europäisches Recht (Aufnahme- und Verfahrensrichtlinie, Dublin-III-Verordnung) verpflichtet, UMF, die einen Asylantrag stellen, auf die Bundesamts-Anhörung zu ihren Fluchtgründen qualifiziert vorzubereiten und sie dorthin zu begleiten. Damit wird der Vormund, wenn und soweit es keine anwaltliche Unterstützung gibt, zum entscheidenden Akteur, von dessen Verhalten, Einschätzungen und Entscheidungen die weitere aufenthaltsrechtliche Zukunft des Jugendlichen abhängt. 
  • Schließlich ist die Beschäftigung mit UMF auch für Betreuer in Jugendhilfeeinrichtungen eine besondere Herausforderung, denn sie werden als Erste mit aufenthaltsrechtlichen Fragen konfrontiert, und an sie wenden sich die Jugendlichen mit ihren täglichen Sorgen. Auch sind es meist die Betreuer, die sie beim Gang zur Ausländerbehörde begleiten und die Ansprechpartner bleiben, wenn der Vormund nicht mehr zur Verfügung steht. Und Vertrauensverhältnisse, die z. B. das Offenbaren traumatischer, schambelasteter Erlebnisse möglich machen, entstehen in aller Regel zwischen Bezugsbetreuern und Jugendlichem – so entsteht eine Verantwortung, die bereichern, aber auch belasten kann. 

In diesem Seminar vermitteln die Dozenten die Grundlagen des Asyl- und Aufenthaltsrechts, speziell von UMF, umfassend. Sie erörtern auch die Entscheidungsspielräume und Verantwortungskreise der beteiligten Akteure.

Besonderheiten

Sie erleben in diesem Seminar etwas ganz Besonderes. Ihnen begegnet ein hoch kompetentes, eingespieltes, juristisch wie praktisch äußerst erfahrenes Leitungsteam, welches Sie mittels einer kurzweiligen Ko-Moderation in eine rege Diskussion zu den Schwerpunkten einbindet. Es wird eine Art von „Talkshow zu aktuellen Tagesthemen“ mit Ihnen gemeinsam gestaltet. Das innerhalb des Seminars gewonnene Fachwissen wird Sie in Ihrer täglichen Arbeit mit UMF wirksam unterstützen. 

Inhalte
  • Was sind die Voraussetzungen für einen legalen Aufenthalt in Deutschland?
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Duldung, einer Aufenthaltsgestattung und einer Aufenthaltserlaubnis?
  • Welchen räumlichen Beschränkungen unterliegt die Bewegungsfreiheit von UMF?
  • Wie und wann sollte ein UMF einen Asylantrag stellen und wer hat eine Chance auf eine positive Entscheidung?
  • Welche Informationen sind für das Asylverfahren wichtig und worauf kommt es beim „Interview“ an?
  • Welche Bedeutung haben ärztliche Stellungnahmen bzw. Gutachten?
  • Was bedeutet es, „Fingerabdrücke in Italien“ zu haben; müssen auch Jugendliche mit einer Abschiebung rechnen?
  • Welche Folgen hat eine Flüchtlingsanerkennung, eine Feststellung von Abschiebungsverboten oder eine Ablehnung des Asylantrages? 
  • Welche Alternativen zu einer Asylantragstellung gibt es? 
  • Was ist bei aufenthaltsbeendenden Maßnahmen gegenüber UMF zu beachten? 
  • Wann lohnt sich eine Klage gegen die Entscheidung des Bundesamtes? 
  • Mit welchem Papier dürfen Jugendliche ihre Eltern nach Deutschland holen und als junge Erwachsene arbeiten und ihren Wohnsitz frei wählen? 
  • Wann ist eine Passbeschaffung bei einer Auslandsvertretung des Herkunftslandes nötig? 
  • Wo findet man aktuelle Informationen und Hilfe bei Fragen zum Asyl- und Aufenthaltsrecht? 
  • Welche Neuerungen haben sich durch das Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbestimmung von Juli 2015 ergeben, welche Neuerungen ergeben sich durch das voraussichtlich am 01.01.2016 in Kraft tretende Gesetz zur bundesweiten Verteilung von UMF und welche Vorgaben ergeben sich aus dem seit dem 20.07.2015 unmittelbar anwendbaren (und bisher nicht ins nationale Recht umgesetzten) neuen europäischen Richtlinienrecht (Asylverfahrensrichtlinie, Aufnahmerichtlinie)?
Bitte mitbringen AsylVfG, AufenthG
Termin & Anmeldung Meldestichtag Ort Leitung Preis

09.03.2016, 09:00-16:00 Uhr
10.03.2016, 09:00-16:00 Uhr

Dauer: 2,0 Tage
keine Anmeldung möglich

Münster-CoerdeTanja Stiller
Helge Krista

26.10.2016, 09:00-16:00 Uhr
27.10.2016, 09:00-16:00 Uhr

Dauer: 2,0 Tage
keine Anmeldung möglich

Münster-CoerdeTanja Stiller
Helge Krista
Meldestichtag:
Am Meldestichtag entscheiden wir auf der Grundlage der Anmeldungen, ob eine Veranstaltung stattfinden kann oder nicht. Darum melden Sie sich bitte zeitnah an, wenn Sie interessiert sind! Je mehr Anmeldungen bei uns eingehen, desto sicherer können wir die Veranstaltung durchführen. Selbstverständlich können Sie sich auch nach dem Meldestichtag weiterhin anmelden, sofern noch Plätze frei sind. Eine kostenfreie Abmeldung ist dann allerdings nicht mehr möglich.

Termin unpassend? Keine Anmeldung möglich? Tragen Sie sich in unsere Interessentenliste ein!