Führungskräfte, Personalverantwortliche, Ausbildungsleitungen und Beschäftigte im öffentlichen Dienst, die mit Auszubildenden arbeiten oder für Personalentwicklung zuständig sind
Digitale Kommunikation ist fester Bestandteil des Arbeitsalltags und erfolgt vielfach über dienstlich bereitgestellte Systeme. Parallel dazu entstehen jedoch informelle digitale Kommunikationsräume, wie Messenger-Gruppen, soziale Netzwerke oder private Chatverläufe unter Beschäftigten und Auszubildenden. Diese entziehen sich häufig der Steuerung durch den Arbeitgeber. Für Führungskräfte, Personalverantwortliche und Ausbildungsleitungen ergibt sich daraus eine besondere Verantwortung, denn Inhalte werden nicht selten als „privat“ eingeordnet, obwohl sie einen eindeutigen Dienstbezug aufweisen und das Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis unmittelbar berühren.Gerade in diesen informellen, oft als „privat“ wahrgenommenen Kommunikationsräumen entstehen nicht selten Graubereiche, in denen abwertende, ausgrenzende oder eskalierende Inhalte auftreten, die den Übergang zu Mobbing oder Cybermobbing begünstigen oder bereits entsprechende Ansätze enthalten.
Aktuelle Studien zeigen, dass Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen deutlich zugenommen haben und den Arbeitsplatz in besonderem Maße betreffen. In einer repräsentativen Erhebung des Bündnisses gegen Cybermobbing aus dem Jahr 2025 gaben 37 % der befragten Erwachsenen an, bereits Opfer von Mobbing gewesen zu sein; 14 % berichteten von Cybermobbing-Erfahrungen. Besonders betroffen sind junge Erwachsene in Ausbildung und Berufseinstieg. 43 % der Betroffenen erlebten Mobbing am Arbeitsplatz. Die Folgen sind erheblich: 28 % der Betroffenen ziehen eine Kündigung in Betracht, zudem weisen sie im Durchschnitt höhere krankheitsbedingte Fehlzeiten auf (Bündnis gegen Cybermobbing, Studie 2025).
Dies bedeutet ein erhöhtes Risiko für Personalfluktuation, krankheitsbedingte Ausfälle, Eskalationen im Arbeitsumfeld sowie mögliche arbeits- und beamtenrechtliche Auseinandersetzungen. Hinzu kommt, dass in der öffentlichen Verwaltung überdurchschnittlich viele Beschäftigte von verbalen oder psychischen Übergriffen durch betriebsfremde Personen berichten (Forsa/DGUV 2024), was die Anforderungen an Prävention, Fürsorge und Führung zusätzlich erhöht.
Ziel des Seminars ist es, für das Thema Cybermobbing im Kontext der öffentlichen Verwaltung zu sensibilisieren und auf bislang häufig unterschätzte Risiken aufmerksam zu machen. Es soll ein Verständnis dafür entwickelt werden, welche Formen digitaler Grenzverletzungen existieren, wann vermeintlich „privates“ digitales Verhalten dienstrechtlich relevant werden kann und welche rechtlichen und organisatorischen Konsequenzen sich daraus ergeben. Die Inhalte werden anhand ausgewählter, realitätsnaher Praxisfälle aus dem Arbeitsalltag der öffentlichen Verwaltung vermittelt.
Quellen:
"Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen, Eine empirische Bestandsaufnahme in Deutschland", November 2025, Karlsruhe, Mobbingstudie_Erwachsene_2025-end1.pdf.
Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH. 06.12.2024: Gewalt bei der Arbeit, Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter abhängig Beschäftigten für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV).
17.04.2026
09:00 - 10:30 Uhr